Volksfeste sind das beste was die Menschheit sich jemals ausgedacht hat

Als ich gestern beim Schlossgrabenfest in Darmstadt zwischen Techno-Zelt und Hauptbühne herumstand kam ich nicht umher die Besucher, die sich durch Bierbänke und Wurstbuden drängelten, lange und intensiv zu beobachten. Diese Diversität aus Tätowierungen, Friseuren, Bräunungsgraden, Schulabschlüssen, Piercings  und witzigen Sprüche-Tshirts („Sex-Trainer, 1. Stunde gratis“) hatte ich nicht mehr gesehen seit ich bei einem anderen Volksfest in Bayreuth Bier für 8,50 Euro Mindestlohn verkauft hatte um durch den Winter zu kommen. (So schlimm war es nicht, liest sich aber dramatischer).

Das Schlossgrabenfest ist ein ganz  normales Volksfest. Und das macht es so Großartig. Volksfeste sind die Stützpfeiler unserer basisdemokratischen Grundordnung.  Vor den Apfelweinständen betrinken sich weniger Studenten sondern vor allem Bürger die im Gegensatz zu den angehenden Jungakademikern nur am Wochenende Zeit haben soviel Alkohol wie möglich in sich rein zu kippen um den Rest der vergangenen und den Anfang der kommenden Woche zu vergessen oder ihr zumindest einen süss-apfelig-alkoholischen Schleier um die Augen zu binden. Volksfeste vereinen Menschen. Sie führen vielleicht nicht zwangsläufig dazu, das man sich annähert aber sie zwingen den modebewussten Foodblooger, der OK KID sehen will und denkt das wäre Rap an den selben Bierstand wie den KFZ-Mechatronikerm, dem OK KID ziemlich egal sind.

Volksfeste sind ein Fest für alle – unabhängig von Alter, Geschlecht, Einkommen oder sozialem Stand. Das klingt nach einem Witz den man sich vor einer VWL-Vorlesung erzählt.  ist es aber nicht. Volksfeste sind basisdemokratisch. Wenn ich in eine beliebige Oberfränkische Großraumdisco fahre ist das eine Fahrt in den Zoo. Die Menschen, die dort Ironiefrei feiern sind so weit weg von mir, wir berühren uns höchstens wenn sie mir aufs Maul hauen, weil ich einen Studentenausweis dabei habe. Der Dancefloor auf dem ausschliesslich Ballermann-Hits laufen ist in der Großraumdisco real. Und er existiert ohne eine sarkastische Metapher und ironischen doppelten Boden.

Nehme ich aber mal einen Freund ohne Studium (vielleicht sogar ohne Abitur) zu einer WG-Party mit, ist er der Zoo-Besucher und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus.(Wenn man mit Staunen meint das er sich angewidert den langweiligen Gesprächen über Klausuren und Hausarbeiten weg- und sich dem Jägermeister zudreht).

Volksfeste sind wie ein menschlicher Smoothie

Die Ghettoisierung hat längst begonnen.  Volksfeste sind ein Versuch ihr entgegenzuwirken und die Menschen wieder zusammenzubringen. Volksfeste sind besser als jede Charity-Veranstaltung für reiche Menschen von reichen Menschen für das Wohl armer Menschen, die wenn überhaupt, nur repräsentativ anwesend sind. Volksfeste sind wie ein menschlicher Smoothie. Du nimmst einen Haufen Menschen die eigentlich alle nicht zusammenpassen, wirfst sie in einen Mixer und 5 Minuten später hast du einen Drink bestehend  aus verschiedensten sozialen Hintergründen der zwar kein bisschen schmeckt, von dem aber alle behaupten er sei total lecker und gesund. (und der 7,99 Euro kostet)

Morgen lese ich beim Schlossgrabenfest Texte vor. Poetry Slams sind meistens ja nur was für Studenten, die eine Kulturveranstaltung besuchen wollen ohne sich zu sehr anzustrengen zu müssen.  Die Idee einen Slam auf einem Volksfest zu veranstalten ist mutig, weil das Klientel dort ohne eine Erwartungshaltung hingeht. Ziemlich sicher  werde ich auf ganzer Linie  großartig scheitern. Aber vielleicht nimmt irgendjemand im Vorbeigehen was mit und wenn es nur ein Auszug aus einem Text über Volksfeste ist.  Das wird super, ich freu mich drauf.

Foto: https://www.facebook.com/Schlossgrabenfest/photos/a.1205171619495791.1073741840.123224154357215/1205172139495739/?type=3&theater

Vom Anfangen. Und vom Schreiben.

Heute habe ich ein Foto wiedergefunden, von dem ich nicht mehr wusste das es existiert. Naja fast. Denn letztes Jahr habe ich es noch kommentiert, nachdem ich darauf verlinkt worden war. Jetzt ist es mir wieder in die Hände gefallen. Es geht um folgendes Foto:screen-auftritt2012.png

Aufgenommen wurde es am 30.8.2012 im Limes, Bonn, bei der Kopfnuss Lesebühne Bonn – einem offenem Lesebühnen-Format das es immer noch gibt. Man konnte sich anmelden, ein zahlendes Publikum von…vielleicht 20 Zuschauern zahlte drei Euro Eintritt , es gab vier Leute die vorlasen, und der Gewinner des Abends bekam 50 Euro( die fairerweise aber auch meistens in der Bar blieben)
Damals war ich vier Jahre jünger als jetzt und hatte gerade damit angefangen, Texte die ich geschrieben hatte auf Bühnen vorzulesen. Okay, um ehrlich zu sein hatte ich auch da richtig angefangen zu schreiben. In der Schule fand ich Deutsch zwar gut und fand Gedichte interpretieren immer ganz cool, vertuschte dies aber recht geschickt. Natürlich schrieb ich nicht. Für wen denn auch? Mit dem Poetry Slam, mit dem ich einige Monate vorher angefangen hatte, änderte sich das schlagartig: Ich hatte Zuschauer. Ein Publikum. Leute die mich nicht kannten und trotzdem meine Texte hören. wollten. mussten.
Bei meinen ersten Auftritten war ich viel zu hektisch, viel zu schnell und viel zu aufgeregt. Trotzdem hatte mich das Format direkt abgeholt und mitgenommen und in meinem 2. Germanistik-Semester schrieb ich mich eigentlich  nur noch ein, um mit meinem Semesterticket und dem Poetry Slam in irgendwelche abgelegenen Vororte zu fahren um da für 10 Euro (wenn ich Glück hatte) und 2 Freibier ( wenn ich mehr Glück!) aufzutreten. Egal vor wievielen Zuschauern, egal an welchem Hügel das Jugendzentrum jetzt genau lag und egal auf welcher vertanzten Matratze ich mit wem da schlafen musste. (also pennen halt, nicht…ihr wisst schon).
Ich hatte einfach Bock.
Diese Zeit hatte eine gewisse Unschuld die nie wiederkommen wird. Das klingt melancholischer als es sein soll, ich sage das ganz nüchtern und ohne viel rückblinden Weltschmerz „wie toll das, damals alles war“(war es nicht).
Wenn ich heute auftrete, bereite ich mich gewissenhafter vor. Ich kenne die Bühne. Ich schlage (obgleich ich kein Vollzeit-Profi bin und ) Einladungen aus wenn ich keine Lust hab für ein lahmes Publikum und 20 Euro, 500 Km zu fahren und mit dem Veranstalter jetzt auch nicht sooooooo auf einer Wellenlänge bin. Hätte ich mich damals kennengelernt hätte ich mich wohl mal so richtig scheisse gefunden. „Oh, der feine Herr !!ist wohl schon öfter dabei, setzt sich hier lässig in den Backstage rein, redet über irgendwelche szeneninternen Sachen und wünscht dem Newcomer dann mit einem Augenzwinkern „Viel Spaß beim Auftritt“. Na warte, dich zerficke ich gleich in der Vorrunde mit meinem neuen supernicen Text über…einen Friseurbesuch?!
Holy Shit, es ist schon verrückt mit welchen kreativen „Ergüssen“ man sich auf die Bühne traut(e). Klar, heute wird auch noch durchprobiert, aber alles in allem sind auch eigene (Slam)-Texte berechenbarer geworden.Man weiß was man schreibt und kann ungefähr erahnen wie es wohl ankommen wird. Auch der Auftritts-Ablauf steht fest: Zur Location fahren, Text auspacken, Backstage abhängen, Texte anhören, merken das man die meisten schon kennt, nach hinten gehen, ins Wlan einloggen, Epic-Fail-Compilations gucken, auftreten, Bücher verkaufen, abhängen, eventuell die ein- oder andere Aftershowparty mitnehmen, ins Hotelzimmer gehen, schlafen,sich verabschieden, Zug fahren.
Der Slam ist krass. Irgendwie immer im Wandel, irgendwie nicht so richtig greifbar aber dann doch immer da. Die Leute sind da. Das Publikum ist da. Die Texte sind da. Ständig kommen neue talentierte Menschen in diese verrückte Szene und räumen diese dann komplett von innen auf. Es gibt den Juxe-Slam in Hiltprochtbrechthausen mit drei zahlenden Besuchern und Texten, die niemals hätten geschrieben werden dürfen und den Best of Slam vor 15.000 Menschen mit den talentiertesten Bühnenpoeten des Landes. Es ist verrückt. Schön irgendwie dabei zu sein. Und schön, dass ich damals anscheinend nichts besseres zu tun hatte.

P.S. Keine Ahnung ob ich damals bei der Lesebühne den 50er gewonnen habe. Kann schon sein. Wenn ja dann wahrscheinlich mit einem Text über einen Friseurbesuch. Aber ganz ehrlich, wen interessiert das schon? Solange Leute für die Aussicht auf Freibier 500 Kilometer fahren um in irgendeinem Jugendclub einen Text über Umweltschutz vorzulesen, ist alles schon okay. „Mehr als das “ (Zitat: Kaleb Erdmann)

Termine – Update

Das Gute am Master ist die fehlende Anwesenheitspflicht.

Da ich für meine kommenden Klausuren eifrig vorgelehnt habe, und ich natürlich auch für mein Buch vermehrt auftrete haben sich diesen Monat einige Termine ergeben. Da ich zu faul bin um diese noch einmal aufzulisten, hier ein Screenshot von meiner Künstlerseite. Digital Native und so.

auftritte

Einige Fragen zur US-Wahl

  1. Echt jetzt?
  2. Oh krass.
  3. Komprimiert Facebook oder Twitter irgendwann meinen Newsfeed aufgrund ZUVIEL TRUMP UND US-WAHL CONTENT??
  4. Wieviele neue Raptracks darüber, das Trump blöd ist, kommen wohl bald auf uns zu?
  5. Und Wieviel neue Poetry Slam-Texte darüber, das Trump blöd ist?
  6. Ist Trump eigentlich blöd?
  7. Habe ich nicht einfach Lust mal zu behaupten, ich fände Trump supernice anstatt blöd, einfach nur um zu schauen, wie mein Umfeld damit umgeht?
  8. Wussten die Macher von den Simpsons wirklich schon im Jahre 2000, wie die gestrige Wahl ausgeht?

    simpsonstrumpepisode2000Quelle:http://www.snopes.com/simpsons-trump-prediction/

  9. Ach ne, doch nicht.  Zeigt das nicht irgendwo unser total reaktionäres Verhalten, alles mit Memes und Comic-Content zu untermauern? (Sorry muss ja ne Frage sein)
  10. Werden wir alle zukünftig nur noch über Memes und Animationen miteinander kommunizieren?
  11. Darf ich einem Amerikaner noch die Hand schütteln, wenn ich ihn sehe?
  12. Sollte ich mich für soviel Anti-Amerikanismus eigentlich schämen?
  13. Darf ich mir in  Bäckereien noch Amerikaner kaufen und sie auch so nennen?
  14. Sind die Reptiloiden an der US-Wahl beteiligt?
  15. Ist das Teil einer großen Verschwörung?
  16. Hat Jan Leyk sich eigentlich schon geäussert?

    bildschirmfoto-2016-11-10-um-07-46-18

  17. Wann hören endlich alle auf darüber zu schreiben, dass das ganze ein Fake von Böhmenmann war?
  18. Hat Pietro Lombardi Sara jetzt wirklich geschubst?
  19. Googeln Amerikaner wirklich “Auswandern Kanada“?
  20. Ist das irgendwie relevant?
  21. Kriege ich in kanadischen Bäckereien eigentlich auch Amerikaner?
  22. Oder gibt es dann in deutschen Bäckereien Kanadier?
  23. Wenn Hillary Clinton mehr Stimmen als Donald Trump hatte, warum hat sie die Wahl dann verloren?
  24. Ist das irgendwie relevant?
  25. Ist das ganze ein Fake des Neo Magazin Royale?
  26. Sollte ich darüber schreiben?
  27. Oder zumindest einen kritischen Raptrack draus machen?
  28. Einen Slamtext?
  29. Einen Blogeintrag?
  30. Echt jetzt?