Vom Anfangen. Und vom Schreiben.

Heute habe ich ein Foto wiedergefunden, von dem ich nicht mehr wusste das es existiert. Naja fast. Denn letztes Jahr habe ich es noch kommentiert, nachdem ich darauf verlinkt worden war. Jetzt ist es mir wieder in die Hände gefallen. Es geht um folgendes Foto:screen-auftritt2012.png

Aufgenommen wurde es am 30.8.2012 im Limes, Bonn, bei der Kopfnuss Lesebühne Bonn – einem offenem Lesebühnen-Format das es immer noch gibt. Man konnte sich anmelden, ein zahlendes Publikum von…vielleicht 20 Zuschauern zahlte drei Euro Eintritt , es gab vier Leute die vorlasen, und der Gewinner des Abends bekam 50 Euro( die fairerweise aber auch meistens in der Bar blieben)
Damals war ich vier Jahre jünger als jetzt und hatte gerade damit angefangen, Texte die ich geschrieben hatte auf Bühnen vorzulesen. Okay, um ehrlich zu sein hatte ich auch da richtig angefangen zu schreiben. In der Schule fand ich Deutsch zwar gut und fand Gedichte interpretieren immer ganz cool, vertuschte dies aber recht geschickt. Natürlich schrieb ich nicht. Für wen denn auch? Mit dem Poetry Slam, mit dem ich einige Monate vorher angefangen hatte, änderte sich das schlagartig: Ich hatte Zuschauer. Ein Publikum. Leute die mich nicht kannten und trotzdem meine Texte hören. wollten. mussten.
Bei meinen ersten Auftritten war ich viel zu hektisch, viel zu schnell und viel zu aufgeregt. Trotzdem hatte mich das Format direkt abgeholt und mitgenommen und in meinem 2. Germanistik-Semester schrieb ich mich eigentlich  nur noch ein, um mit meinem Semesterticket und dem Poetry Slam in irgendwelche abgelegenen Vororte zu fahren um da für 10 Euro (wenn ich Glück hatte) und 2 Freibier ( wenn ich mehr Glück!) aufzutreten. Egal vor wievielen Zuschauern, egal an welchem Hügel das Jugendzentrum jetzt genau lag und egal auf welcher vertanzten Matratze ich mit wem da schlafen musste. (also pennen halt, nicht…ihr wisst schon).
Ich hatte einfach Bock.
Diese Zeit hatte eine gewisse Unschuld die nie wiederkommen wird. Das klingt melancholischer als es sein soll, ich sage das ganz nüchtern und ohne viel rückblinden Weltschmerz „wie toll das, damals alles war“(war es nicht).
Wenn ich heute auftrete, bereite ich mich gewissenhafter vor. Ich kenne die Bühne. Ich schlage (obgleich ich kein Vollzeit-Profi bin und ) Einladungen aus wenn ich keine Lust hab für ein lahmes Publikum und 20 Euro, 500 Km zu fahren und mit dem Veranstalter jetzt auch nicht sooooooo auf einer Wellenlänge bin. Hätte ich mich damals kennengelernt hätte ich mich wohl mal so richtig scheisse gefunden. „Oh, der feine Herr !!ist wohl schon öfter dabei, setzt sich hier lässig in den Backstage rein, redet über irgendwelche szeneninternen Sachen und wünscht dem Newcomer dann mit einem Augenzwinkern „Viel Spaß beim Auftritt“. Na warte, dich zerficke ich gleich in der Vorrunde mit meinem neuen supernicen Text über…einen Friseurbesuch?!
Holy Shit, es ist schon verrückt mit welchen kreativen „Ergüssen“ man sich auf die Bühne traut(e). Klar, heute wird auch noch durchprobiert, aber alles in allem sind auch eigene (Slam)-Texte berechenbarer geworden.Man weiß was man schreibt und kann ungefähr erahnen wie es wohl ankommen wird. Auch der Auftritts-Ablauf steht fest: Zur Location fahren, Text auspacken, Backstage abhängen, Texte anhören, merken das man die meisten schon kennt, nach hinten gehen, ins Wlan einloggen, Epic-Fail-Compilations gucken, auftreten, Bücher verkaufen, abhängen, eventuell die ein- oder andere Aftershowparty mitnehmen, ins Hotelzimmer gehen, schlafen,sich verabschieden, Zug fahren.
Der Slam ist krass. Irgendwie immer im Wandel, irgendwie nicht so richtig greifbar aber dann doch immer da. Die Leute sind da. Das Publikum ist da. Die Texte sind da. Ständig kommen neue talentierte Menschen in diese verrückte Szene und räumen diese dann komplett von innen auf. Es gibt den Juxe-Slam in Hiltprochtbrechthausen mit drei zahlenden Besuchern und Texten, die niemals hätten geschrieben werden dürfen und den Best of Slam vor 15.000 Menschen mit den talentiertesten Bühnenpoeten des Landes. Es ist verrückt. Schön irgendwie dabei zu sein. Und schön, dass ich damals anscheinend nichts besseres zu tun hatte.

P.S. Keine Ahnung ob ich damals bei der Lesebühne den 50er gewonnen habe. Kann schon sein. Wenn ja dann wahrscheinlich mit einem Text über einen Friseurbesuch. Aber ganz ehrlich, wen interessiert das schon? Solange Leute für die Aussicht auf Freibier 500 Kilometer fahren um in irgendeinem Jugendclub einen Text über Umweltschutz vorzulesen, ist alles schon okay. „Mehr als das “ (Zitat: Kaleb Erdmann)

Termine – Update

Das Gute am Master ist die fehlende Anwesenheitspflicht.

Da ich für meine kommenden Klausuren eifrig vorgelehnt habe, und ich natürlich auch für mein Buch vermehrt auftrete haben sich diesen Monat einige Termine ergeben. Da ich zu faul bin um diese noch einmal aufzulisten, hier ein Screenshot von meiner Künstlerseite. Digital Native und so.

auftritte

Einige Fragen zur US-Wahl

  1. Echt jetzt?
  2. Oh krass.
  3. Komprimiert Facebook oder Twitter irgendwann meinen Newsfeed aufgrund ZUVIEL TRUMP UND US-WAHL CONTENT??
  4. Wieviele neue Raptracks darüber, das Trump blöd ist, kommen wohl bald auf uns zu?
  5. Und Wieviel neue Poetry Slam-Texte darüber, das Trump blöd ist?
  6. Ist Trump eigentlich blöd?
  7. Habe ich nicht einfach Lust mal zu behaupten, ich fände Trump supernice anstatt blöd, einfach nur um zu schauen, wie mein Umfeld damit umgeht?
  8. Wussten die Macher von den Simpsons wirklich schon im Jahre 2000, wie die gestrige Wahl ausgeht?

    simpsonstrumpepisode2000Quelle:http://www.snopes.com/simpsons-trump-prediction/

  9. Ach ne, doch nicht.  Zeigt das nicht irgendwo unser total reaktionäres Verhalten, alles mit Memes und Comic-Content zu untermauern? (Sorry muss ja ne Frage sein)
  10. Werden wir alle zukünftig nur noch über Memes und Animationen miteinander kommunizieren?
  11. Darf ich einem Amerikaner noch die Hand schütteln, wenn ich ihn sehe?
  12. Sollte ich mich für soviel Anti-Amerikanismus eigentlich schämen?
  13. Darf ich mir in  Bäckereien noch Amerikaner kaufen und sie auch so nennen?
  14. Sind die Reptiloiden an der US-Wahl beteiligt?
  15. Ist das Teil einer großen Verschwörung?
  16. Hat Jan Leyk sich eigentlich schon geäussert?

    bildschirmfoto-2016-11-10-um-07-46-18

  17. Wann hören endlich alle auf darüber zu schreiben, dass das ganze ein Fake von Böhmenmann war?
  18. Hat Pietro Lombardi Sara jetzt wirklich geschubst?
  19. Googeln Amerikaner wirklich “Auswandern Kanada“?
  20. Ist das irgendwie relevant?
  21. Kriege ich in kanadischen Bäckereien eigentlich auch Amerikaner?
  22. Oder gibt es dann in deutschen Bäckereien Kanadier?
  23. Wenn Hillary Clinton mehr Stimmen als Donald Trump hatte, warum hat sie die Wahl dann verloren?
  24. Ist das irgendwie relevant?
  25. Ist das ganze ein Fake des Neo Magazin Royale?
  26. Sollte ich darüber schreiben?
  27. Oder zumindest einen kritischen Raptrack draus machen?
  28. Einen Slamtext?
  29. Einen Blogeintrag?
  30. Echt jetzt?